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8. Oktober 2026

Was VLamax kann und was nicht

VLamax ist in der Leistungsdiagnostik ein beliebter Begriff geworden. Dieser Artikel ordnet ein, was die Größe im Mader-Modell bedeutet, wie sie in estiMate geschätzt wird und wo die Kritik ansetzt.

Was VLamax im Modell ist

Im Modell von Mader (Mader & Heck 1986; Mader 2003) in der Form von Hauser, Adam und Schulz (2014) ist VLamax die maximale Laktatbildungsrate der Glykolyse, angegeben in mmol/l/s. Die tatsächliche Bildungsrate hängt von der Belastung ab: Sie steigt über die freie ADP-Konzentration mit einer sättigenden Kurve an und erreicht VLamax nur bei maximaler Aktivierung.

Dem gegenüber steht der Laktatabbau, der im Standardmodell proportional zur Sauerstoffaufnahme ist. Die Belastung, bei der beide gleich groß sind, ist die MLSS. Eine höhere VLamax verschiebt bei gleicher VO2max die MLSS nach unten, weil mehr Laktat entsteht, das oxidativ abgebaut werden muss.

Wie VLamax geschätzt wird

VLamax wird nicht direkt gemessen. estiMate nutzt zwei Wege, die auch kombiniert werden:

  • Sprint-Laktat: Aus dem Laktatanstieg nach einem kurzen Sprint (Hauser et al. 2014, Gl. 1). Für die Vorinformation nehmen wir eine relative Standardabweichung von 15 % an. Das ist eine Annahme.
  • Laktatstufentest: VO2max und VLamax werden gemeinsam so angepasst, dass das berechnete Steady-State-Laktat zu den gemessenen Werten passt. Stufen über 6 mmol/l werden ausgeschlossen.

Die Unsicherheit wird per Bootstrap geschätzt. Ohne Sprint und ohne gemessene VO2max sind die beiden Parameter stark korreliert (im Bootstrap etwa +0,96 bis +0,99 auf synthetischen Daten), und das Ergebnis ist als schwach identifizierbar gekennzeichnet.

Was VLamax nicht ist

  • Keine direkte Messung. Ein Sprint-Laktatwert ist ein Blutlaktat-Proxy. Blutlaktat ist nicht gleich Laktatbildung im Muskel: Es hängt auch von Verteilung und Abbau ab.
  • Kein bestätigter Biomarker der glykolytischen Kapazität. Die Gültigkeit von VLamax ist in der Literatur umstritten.
  • Kein Urteil über „gute" oder „schlechte" Werte. Wir geben bewusst keine Normwerte an, weil wir dafür keine belastbaren Quellen in unserer Dokumentation haben.

Die Kritik von Nolte et al. (2022)

Nolte, Quittmann und Meden (2022) analysieren das Modell in einem SportRxiv-Preprint, der nicht peer-reviewed ist. Zwei Punkte sind für die Praxis besonders relevant:

  1. Die vom Modell vorhergesagte MLSS, ausgedrückt in Prozent der VO2, hängt nur vom Verhältnis VO2max/VLamax (und der Abbaukonstante kre) ab. Experimentelle Daten stützen diese Beziehung nicht.
  2. Das in Hauser et al. verwendete Laktatäquivalent 0,02049 beruht nach Nolte et al. auf einer Fehllesung einer Quelle (Weber 2003). Nolte et al. behandeln kre deshalb als eine angepasste Konstante.

Was die Nachrechnung zeigt und was nicht

Wir haben die 13 berechneten MLSS-Leistungen aus Tabelle 1 von Hauser et al. (2014) nachgerechnet: mittlere Abweichung +0,4 W, Standardabweichung 1,1 W, maximal 3,5 W. Das zeigt, dass die Gleichungsform (inklusive Erratum von 2016: Gl. 7 verwendet Ks1 statt Ks2) und die Konstanten zusammenpassen. Es zeigt nicht, dass das Modell reale MLSS-Werte vorhersagt.

Wie du mit den Ergebnissen umgehen kannst

  • Betrachte MLSS und Zonen als Arbeitshypothese, die du mit Training und Feldtests abgleichst.
  • Achte auf die Intervalle: Sind sie breit, ist ein Unterschied zwischen zwei Tests kaum interpretierbar.
  • Ergänze, wenn möglich, eine gemessene VO2max und Sprint-Laktat. Das macht die Schätzung besser bestimmt, aber nicht automatisch richtiger.
  • estiMate ist kein Medizinprodukt und stellt keine Diagnose.

Mehr Details: Wissenschaft, Testablauf: Das Testprotokoll.

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